Logo Deutsche Franziskanerprovinz

Willkommen auf dem Hülfensberg

Ausgrenzung: maximale Teilnehmerzahlen

Paradoxe Situation

Vor kurzem: Die Klage ist laut, dass die Kirchen immer leerer werden, immer weniger kommen.
Jetzt: Es dürfen nicht alle mitfeiern, die wollen. Das Telefon schellt und die Anmeldungen für die 50 Plätze sind schnell vergeben. Dann der 51. Anruf: Nein, leider ist schon alles voll, Du kannst nicht mitfeiern.
Es kommen mehr Leute, als mitfeiern dürfen – die einen sind drinnen – die anderen sind draußen. Beim Gottesdienst an der freien Luft trennt uns nur eine 5 mm dicke rote Schnur. Doch alles ist friedlich, das Gebet überwindet die Absperrung.
„Früher war es schon einmal so!“ erinnern sich viele Eichsfelder. Da brauchte man eine Erlaubnis, im Sperrgebiet, auf den Hülfensberg – da wurden die Namen verlesen und wer nicht auf der Liste stand, kam nicht auf den Berg.
Ja und nein: Die Methoden ähneln einander, ja – doch auch ein entschiedenes nein: die Motivation ist grundverschieden: Verhindern von religiösem Leben und Republikflucht auf der einen Seite, Schutz der Gesundheit auf der anderen.
Eine paradoxe Situation. Für viele gänzlich neu – wer hat schon so eine Pandemie erlebt?
Für einige, nicht wenige jedoch gar nicht neu, alltäglich: Wer nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche steht, darf nicht an den Sakramenten teilhaben. Wir grenzen aus und sagen: Du darfst und du darfst nicht.
Mich bringt das zu der Frage, was denn die vollkommene Gemeinschaft der Kirche ausmacht?
Wenn ein Bruch in meinem Eheleben war, ich jedoch wieder lieben und geliebt werden möchte, ist die Gemeinschaft unvollkommen?
Wenn ich ein Kurienkardinal bin und Verschwörungstheorien verbreite, ist meine Gemeinschaft vollkommen?
Das eine ist hartnäckiges Verharren in der Sünde – das andere eine zerbrochene Liebe …
Ich bin froh, wenn ich einst nicht entscheiden muss, wer in die vollkommene Gemeinschaft in den Himmel aufgenommen wird – eines glaube ich allerdings fest: Gott lädt uns alle ein.